Chronik II

Als Festplatz wurde der alte Sportplatz an der Lusenheide zu einem Preis von 120,-RM von der Spvgg. angemietet. Aber dieser Beschluss musste auf späteren Einspruch vieler Mitglieder rückgängig gemacht werden.

Der Sportplatz liegt zu weit von der Ortsmitte entfernt. So wurde der Landwirt Becker angesprochen und dieser stellte seine Wiese erstmalig zur Verfügung. Sie sollte übrigens im verlauf des Gildenlebens öfter als Festplatz dienen.

In der Versammlung am 17.Februar 1930 erfüllte tiefe Trauer die Anwesenden: Der erst vor vier Wochen gewählte General Karl Müller war verstorben. Das ganze Bataillon war bei seiner Beerdigung vollzählig angetreten. An seiner Stelle wurde in der Generalversammlung am 18. Mai 1930 der Oberst August Denninghaus zum General befördert.

Die hier aufgeführte Maßnahmen und Ereignisse waren ein Bruchteil der tatsächlichen Arbeit, die auf den Vorstand zukamen. Die vielen Sitzungen und Versammlungen zeigten aber auch, mit welcher Intensität man die Arbeit in Angriff nahm. Aber alle Arbeit wurde belohnt. Denn es wurde ein glanzvolles Fest in dem 1700qm großem Zelt auf der „Beckerschen Wiese“.

BrinkmannDer Samstag stand ganz im Zeichen der Weihe der neuen Fahne. Sie war erstellt von Schützenkameraden Anton Hundrup, genannt im Volksmund „Onkel Anton“. Der Protektor dieses Schützenfestes und gleichzeitiger Präsident, Herr Bergwerksdirektor Binkmann, nahm mit zu Herzen gehenden Worten Die Fahnenweihe vor. Er verglich das Wehen des Fahnentuches mit der unruhigen sturmbewegten Zeit in der man sich befand und wünschte, dass die Fahne künftighin der Gilde in der Hauptsache bei freudvollen Anlässen voranwehen möge. Sie sollte das Erbgut sein für die nachfolgenden Generationen und sorgsam gehütet und gepflegt werden.

Der Festzug am Sonntag erhielt seinen Glanz durch die Teilnahme der Königin des letzten gemeinsamen Festes der Gilde Rapen und Erkenschwick, Frau Brinkmann. Nach einem ausgedehnten Umzug durch das damalige Ortsgebiet feierte die ganze Bevölkerung bis in die frühen Morgenstunden. Die Menschen waren in der Zeit froh, für einige Stunden Arbeit und Alltag vergessen zu können. Wenn sich die damaligen Eintrittspreise zu den Festen auch als niedrig anhörten: Samstag 0,75RM und Sonntag sowie Montag je 1,00RM, so war dies für viele Familien sehr viel Geld.
Für alle aber, die sich um die Ausrichtung dieses Festes verdient gemacht hatten, war es eine Anerkennung als an zwei Tagen der Eintrittskartenverkauf schon früh wegen Überfüllung des Zeltes eingestellt werden musste.
Denn auch der Montag brachte die Bewohner Erkenschwicks nach 26 Jahren wieder einen Schützenkönig bekam. In der Chronik wird vom Vogelschießen folgendes berichtet:

Die Vogelstange, die entgegen der Vorplanung nicht in Tillmanns Wäldchen errichtet worden war, sondern auf dem „Beckerschen Grundstück“ hinterVogel1930 dem Friedhof, galt dem Zustrom vieler Schaulustiger. Der stolze Vogel, der von dem Schreinermeister und Schützenkameraden Heinrich Schmülling angefertigt worden war, galt nun der Aufmerksamkeit aller Beteiligten. Der Präsident eröffnete den Reigen der Schießenden, danach gab je ein Schuss der Vorstand und die Kompaniehauptleute ab. Die weitere Schießfolge wurde durch das Los bestimmt. Das Zepter holte sich, wie könnte es auch anders sein, der Bataillons Kommandeur, Major Josef Köster, für sich herunter. Die Krone war eine Beute des Schützenkameraden Demtröder. Beide waren Mitglieder der 5.Kompanie. Den Lorbeerkranz erhaschte der Schützenkamerad Trebing, Mitglied der 1.Kompanie. Die beiden Flügel wurden sichere Trophäen der 2.Kompanie.

Dem Vogel, dem man unaufhörlich, Folge um Folge das Blei gegeben hatte, zeigte keinerlei Wirkung. Die Verantwortlichen entschlossen sich, kurzerhand den Vogel aus seiner stolzen Höhe noch einmal von Hand herunterzuholen, um den Zähen Körper etwas mit dem Holzmeißel zuleibe gehen zu können. Nach dieser erfolgten, aber nicht gebräuchlichen Prozedur, wurde der Vogel wieder in seine luftigen Höhen befördert.

Koenig1930Nun traten die engeren Königsanwärter zur Stange und nach einigen gezielten Schüssen war es dann der Generalstabsoffizier Hermann I. (Kirchhoff – Mitglied der 5.Kompanie.) Zu seiner Königen erkor er sich Frau Gerda Grüter, Ehefrau des Betriebsführers Grüter, die als Gerda die I. die Regentschaft mit ihm teilen wollte. Die Schützengilde hatte nun mit „Hermann I. und Gerda I.“
ihr neues Königspaar. Gottes Segen begleite dieses Königspaar.
Am Nachmittag trat das Bataillon um 16.00 Uhr zum Abholen des neuen Königs und seiner Königin am Festzelt an.
Auf dem Marktplatz vor dem Verwaltungsgebäude fand dann die Krönung statt, die vom 2.Vorsitzenden, Herrn Heitfeld, vollzogen wurde.
Hierbei wurde die neue Königskette und das Diadem für die Königin der Gilde und der Öffent­lichkeit zum ersten Mal vorgestellt. Diese Insignien wurden in den letzten Monaten vor dem Fest durch großzügige Spenden von Mitgliedern und Gönnern der Schützengilde finanziert.

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